Exil-Orte

Massenflucht nach dem November-Terror

 

Nach dem November 1938 geriet die Auswanderung zur Massenflucht. Viele Emigrationsländer schotteten sich aber gegen jüdische Flüchtlinge ab. In Deutschland kämpften die verzweifelten Ausreisewilligen gegen die bürokratischen Hindernisse und staatliche Ausplünderung. Der NS-Staat forcierte zwar die Auswanderung jüdischer Bürger, ihre Vermögen sollten allerdings nicht ins Ausland gelangen, sondern dem Reichshaushalt zufließen. Wer das Glück hatte, Exil zu finden, musste als mittelloser Flüchtling gehen, ohne jede Möglichkeit eines angemessenen Neuanfangs auf der Basis eigener Ersparnisse.

Attraktiv, aber schwer erreichbar: Die anglo-amerikanischen Staaten

Großbritannien und die USA waren die wichtigsten und begehrtesten Exilländer. Über 200.000 jüdische Verfolgte fanden dort während der NS-Zeit Zuflucht. Die Einwanderung war aber wegen bürokratischer Hürden äußerst schwierig, auch wenn die beiden Staaten Ende 1938 ihre Immigrations-Bestimmungen lockerten. Kanada schottete sich in den 1930er- und 40er-Jahren streng gegen jüdische Flüchtlinge ab.

 
Aus Mangel an Alternativen: Lateinamerika

In den lateinamerikanischen Staaten herrschten unterschiedliche Einreisebedingungen. Auch Klima, soziale Verhältnisse und politische Lage wichen stark voneinander ab. Bevorzugte Exilländer waren Argentinien, Brasilien und Chile. Viele Flüchtlinge gingen notgedrungen aber auch in tropische oder sehr arme Länder wie Bolivien. Sie hofften, von dort aus z. B. in die USA weiterwandern zu können.

 

Land der Verheißung: Palästina (Israel)

Das britische Mandatsgebiet Palästina nahm − nach den USA − die meisten Flüchtlinge auf. Etwa 60.000 Juden aus Deutschland und Österreich wanderten zwischen 1933 und 1941 dorthin aus. Die jüdische Einwanderung nach Palästina wurde durch ein Zertifikatssystem reguliert, das ein Kapitalisten-Zertifikat und ein Jugend-Zertifikat umfasst.

 

Kein Traumziel: Südostasien, Australien

Die abgelegene Region war als Fluchtziel unbeliebt. Die Schiffspassagen waren teuer, die klimatischen, hygienischen und sozialen Bedingungen schwierig, die Kultur erschien fremdartig. Weil aber immer mehr Länder ihre Grenzen schlossen, flohen nach dem November- Pogrom zehntausende Jüdinnen und Juden dorthin. Über 18.000 deutschsprachige Flüchtlinge gingen nach Shanghai.

Auswanderungswillige jüdische Bürger vor einem Reisebüro in der Berliner Meinekestraße

1939, SZ-Photo